November 2021

November 2021    Vogel des Monats in Main-Spessart

Amselgroßer, kontrastreich gefärbter Vogel mit aggressivem Verhalten

 

Die Wacholderdrossel (Turdus pilaris) ist etwa amselgroß und kontrastreich gefärbt:

Oberkopf, Nacken und Bürzel sind schiefergrau, der Schwanz ist schwarz, der Bauch weiß, Rücken und Flügel sind kastanienbraun, Kehle und Brust zart orangebraun und mit kräftigen, schwarzbraunen, zum Teil pfeilförmigen Flecken besetzt.

Der Gesang des hübschen Vogels weicht von dem seiner Verwandten Amsel, Sing- und Misteldrossel erheblich ab: Er besteht nicht aus melodischen Liedstrophen, sondern aus einem Schwätzen, gequetschtem Zwitschern oder durchdringendem Schackern und wird oft im Flug vorgetragen.

Die vorwiegend in Sibirien, Nord- und Osteuropa brütende Wacholderdrossel dehnt ihr Brutgebiet in Mitteleuropa nach Westen aus und ist bei uns seit geraumer Zeit regelmäßiger Brutvogel. Sie bewohnt Waldränder, Parks, Auwälder, Feldgehölze und Gärten. Im Herbst fallen große Scharen aus dem Norden und Osten in Mitteleuropa ein und suchen auf Wiesen, Weideflächen und in Feldgehölzen nach Nahrung. Während sie im Frühling und Sommer vorwiegend Insekten, Schnecken und Würmer verzehren, ernähren sich die Vögel im Herbst und Winter von Beeren und Fallobst.

Während der Brut- und Aufzuchtzeit der Jungen sind Wacholderdrosseln äußerst aggressiv gegenüber potenziellen Nestplünderern. Doch auch außerhalb der Brutzeit zeigen Wacholderdrosseln ein aggressives Verhalten, insbesondere wenn es um Futter geht. So kann man im eigenen Garten beobachten, wie sie über Fallobst herfallen und sowohl Artgenossen als auch andere Vogelarten, die sich dem Futter nähern, attackieren und vertreiben.

In früheren Zeiten wurden Wacholderdrosseln mit Netzen und Fallen massenhaft gefangen und als Delikatesse verzehrt. Ihr volkstümlicher Name Krammetsvogel („Krammet“ ist der umgangssprachliche alte Name für Wacholder) gibt einen Hinweis auf ihre bevorzugte Herbst- und Winternahrung: Wacholderbeeren. In zeitgenössischen Kochbüchern findet man noch Rezepte zur Zubereitung der Drosseln. Besonders schmackhaft sollen sie demnach im Spätherbst nach dem Verzehr von Wacholderbeeren gewesen sein. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Fang und Verzehr der Vögel durch das Reichsvogelschutzgesetz verboten.

 

 

Text und Bild: Walter Malkmus

Oktober 2021

Oktober 2021   Vogel des Monats in Main-Spessart

Stattlicher Greifvogel mit gegabeltem Schwanz

 

Mit einer Körperlänge von 60 bis 65 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 160 bis 180 Zentimetern ist der Rotmilan (Milvus milvus) die stattlichste Erscheinung unter den Greifvögeln Unterfrankens. Sein rostroter, stark gegabelter Schwanz trug dem Rotmilan auch den Namen Gabelweihe ein. Vom rötlich-braunen, schwarz melierten Rumpfgefieder hebt sich der grauweiße Kopf- und Halsbereich deutlich ab. Im Flug fällt auf der Unterseite der Flügel ein großer weißer Fleck hinter den schwarzen Spitzen der Handschwingen auf.

Der Rotmilan ist ein Vogel der reichstrukturierten, offenen Kulturlandschaft mit Heckenzügen, Waldinseln, Wiesen, Feldern und Gewässern. Sein Hauptbeutetier war über lange Zeit der Feldhamster. Seit dieser als „Schadnager“ intensiv bekämpft wurde, gingen sein Bestände zurück. Doch erst der verstärkte Chemieeinsatz der letzten Jahrzehnte in der Landwirtschaft hat den Hamster an den Rand des Aussterbens gebracht. So musste sich der Rotmilan auf andere Nahrung umstellen wie Kleinsäuger (vorwiegend Feldmäuse), Vögel, Fische und vor allem Aas.

Der Rotmilan ist ein Zugvogel, der im Oktober in seine Winterquartiere in Südfrankreich, Spanien und Nordafrika aufbricht. Seit geraumer Zeit überwintern einzelne Rotmilane vermehrt auch in unseren Breiten, besonders in milden Wintern, wo sie sich vorwiegend von Aas ernähren.

  

Text und Bild:  Walter Malkmus

9. Oktober 2021   Vogelzug Teil 2 - Am G'spring

Das Gebiet "Am G'spring" bei Zellingen
Das Gebiet "Am G'spring" bei Zellingen

Am Samstag, den 2. Oktober haben wir auf dem Zollberg bei Gemünden eingeladen, um das Phänomen Vogelzug gemeinsam zu beobachten. Dabei wurden in einem Vormittag mehr als 800 Vögel von 26 Arten gesichtet, die sich auf dem Weg nach Süden gemacht hatten.

Jetzt bieten wir eine zweite Veranstaltung zum Thema Vogelzug an. Diesmal steht aber ein anderer Aspekt des Vogelzugs in Mittelpunkt – die Bedeutung von geeigneten Biotopen für die ziehende Vögel.

Jedes Jahr im Herbst machen sich viele in Deutschland brütende Vögel auf eine Reise. Über 50 Millionen Zugvögel verlassen ihre Brutgebiete bei uns, in denen sie jährlich nur ein paar Monate verbringen, um in Südeuropa oder Afrika zu überwintern. Hinzu kommen 300 Millionen Zugvögel, die unser Land überqueren, hier an geeigneten Rastplätzen Energie tanken, um dann in ihr Winterquartier weiterzuziehen,

Dabei sind für manche Vogelarten geeignete Rastplätze in unseren geordneten Agrarlandschaften sehr schwierig zu finden. Deshalb sind wir überaus froh, hier in Main-Spessart eine sehr wichtige „Tankstelle“ für Zugvögel zu haben.

Das Gebiet befindet sich in der Nähe von Zellingen und nennt sich „Am G‘spring“. Es umfasst große Schilf-, Wiesen- und Teichflächen sowie einen kleinen Bruchwald. Vor einigen Jahren haben die Gemeinde Zellingen und die Trinkwasserversorgung Würzburg eine Renaturierungsprojekt an dem hier durchfließenden Bach „G’spring“ durchgeführt, das zu einer bedeutenden Aufwertung der unmittelbaren Umgebung des Bachlaufs geführt hat.

Kurze Zeit später zog ein Biberpaar ein, das mit seinen Dämmen und der damit verbundenen Anhebung des Wasserspiegels eine weitere Verbesserung der natürlichen Bedingungen der angrenzenden Flächen herbeigeführt hat.

Ein Teil des Gebiets gehört uns während anderen Flächen von der Gemeinde gepachtet werden. In den letzten Jahren haben unsere Gebietsbetreuer Barbara Meyer und Markus Gläßel umfangreiche Daten über die Bedeutung des Gebiets für die Vogelwelt gesammelt.

Am Samstag, den 9. Oktober ab 10 Uhr sind unsere Experten vor Ort, um das Gebiet vorzustellen und mit Ihnen nach rastenden oder überwinternden Vögeln Ausschau zu halten.

Der Treffpunkt ist der Parkplatz am Schützenhaus auf der St2299 in Richtung Billingshausen.

 

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, jedoch müssen die aktuellen Corona-Regeln eingehalten werden. 

2. Oktober 2021   Natur erleben am Zollberg – den Vogelzug beobachten

Blick ins Sinntal von unserer Beobachtungsstelle
Blick ins Sinntal von unserer Beobachtungsstelle

Am Samstag, den 2. Oktober 2021 laden wir auf den Zollberg zwischen Langenprozelten und Schaippach ein, um gemeinsam Ausschau nach Zugvögeln zu halten. Unsere Experten werden zwischen 09 Uhr und 13 Uhr präsent sein.

 

Jedes Jahr im Herbst verlassen mehr als 50 Millionen Vögel ihre Brutgebiete in Deutschland, um eine Reise in wärmeren Gefilden anzutreten. Eine noch weitaus größere Zahl wird unser Land überqueren, hier an geeigneten Rastplätzen auftanken und weiterziehen oder aber auch den Winter über bei uns Station machen.

Das faszinierende Schauspiel des Vogelzugs soll möglichst viele Naturfreunde begeistern. Unsere Veranstaltung findet im Rahmen der European BirdWatch statt, eine jährlich stattfindende Aktion, die der Dachverband BirdLife International seit 1993 organisiert. Es ist das größte Vogelbeobachtungsereignis der Welt, bei dem in diesem Jahr 28 europäische Staaten teilnehmen werden.

 

Am gleichen Wochenende im Jahr 2020 hat die LBV Kreisgruppe Main-Spessart erstmalig Interessenten auf dem Zollberg eingeladen, um den Vogelzug selbst live zu erleben. Ab 9 Uhr wurde fünf Stunden lang ununterbrochen in den Himmel geschaut. Insgesamt 38 Arten wurden von den Experten des LBVs identifiziert. Davon befanden sich mindestens 28 Arten auf ihre Reise in den Süden.

Am häufigsten zu sehen waren Truppen von Buchfinken. Sie flogen meistens in Gruppen von 5 – 30 Vögel und insgesamt zählte man über 800 Individuen. Der erste Bergfink des Winters war auch dabei. Unter den vielen anderen Beobachtungen wurden Kormoran, Heide- und Feldlerche, Kernbeißer, Fichtenkreuzschnabel, Wiesenpieper und eine Gruppe von ca. 50 Ringeltauben gezählt. Um die Mittagszeit erschienen kleine Gruppen Rauchschwalben, einmal sogar in Begleitung von 2 Mehlschwalben.

Die ornithologischen Höhepunkte waren eine Kornweihe, ein Baumfalke und Gruppen mit 8 bzw. 14 Rotmilane. Am Ende der Beobachtung hat man eine Zahl von insgesamt über 1400 ziehenden Vögel notiert.

 

Dieses Jahr findet die Veranstaltung am gleichen Wochenende wieder statt.

Packen Sie ihr Fernglas ein und besuchen Sie uns am Zollberg. Der Aussichtsplatz dort bietet einen hervorragenden Blick aufs Sinntal.

 

Noch ein wichtiger Hinweis.

 

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich! Jedoch müssen für eure und unsere Gesundheit die aktuellen Corona-Regeln eingehalten werden

 

Der Zollberg befindet sich auf der St2303 zwischen Gemünden und Schaippach.

 

Von Gemünden kommend biegen Sie links von der Hauptstraße ab und 70 m weiter nach rechts. Dort befindet sich einem Parkplatz, wo Sie das Auto abstellen können.

Laufen Sie ca. 80 m gerade aus und dann nehmen Sie einen Abzweig nach rechts.

 

Folgen Sie den Weg und halten Sie sich immer links am Waldrand bis zu dem großen Gebäude (Hochbehälter für Gemünden). Ein kurzer Weg entlang des Zauns führt zu unserer Beobachtungsstelle.


September 2021

18. September 2021     LBV Blühwiesen-Projekt und Aktion Streuobsttag 2021

Zu Beginn unserer ersten Herbstveranstaltung am 18. September möchten wir Euch unser neuestes LBV Blühwiesen-Projekt direkt neben der LBV Streuobstwiese, Am Hirtengarten in Himmelstadt, vorstellen.

Der Projektleiter wird euch zwischen 14 und 15 Uhr die Entwicklung und deren Ziele zur neu eingesäten Blühwiese erklären.

Im Anschluss ab 15 Uhr laden wir Euch im Rahmen der „Aktion Streuobst“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf unsere Streuobstwiese, bis ca. 18 Uhr ein.

Es gilt die Vielfalt des Lebensraumes Streuobstwiese zu erkennen – zu erleben – zu genießen. Bei einer Führung durch die Streuobstwiese gibt es Hinweise zu
      -       verschiedene Apfelsorten
      -       deren Baumwuchs
      -       Merkmale zur Frucht und zum Geschmack
      -       sowie deren Verwendung und Lagerung

 Des Weiteren erhaltet Ihr wieder:

-       LfL Informationsmaterial zu Streuobstwiesen – erhalten – pflegen - nutzen

-       Poster und Postkarten mit Streuobstmotiven

-       LfL Informationsmaterial zu Bienen in der Kulturlandschaft

-       LfL Streuobst-Baumwolltaschen

 

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt:

-       Verkostung verschiedener Apfelsorten am jeweiligen Apfelbaum

-       Apfelkuchen und andere Leckereien

-       Verkostung von Apfelsaft aus LfL Gläsern

 Wir freuen uns auf euren Besuch. Die LBV Streuobstwiese befindet sich einige hundert Meter nördlich von Himmelstadt.

Noch ein wichtiger Hinweis.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich! Jedoch müssen für eure und unsere Gesundheit die aktuellen Corona-Regeln eingehalten werden


18. September 2021      Das Blühwiesen-Projekt

Zu Beginn des Jahres startete unser neues Blühwiesen-Projekt in Himmelstadt. Die Extensivierung von Ackerland durch Umbau der für 12 Jahre gepachteten Ackerfläche in artenreiche Blühflächen und Wiesenbereiche ist unser Ziel. Die Fläche grenzt direkt an unsere Streuobstwiese an.

 

Nach verspäteter Ansaat im Juni aufgrund fehlender Verfügbarkeit des Saatguts haben sich die unterschiedlichen Saatmischungen mittlerweile gut entwickelt. Erste Pflanzen sind in Blüte, auch wenn der gelbe Ackersenf und die Ackerdistel sehr dominant sind. Bienen, Hummeln und auch einige Tagfalter nutzen bereits diesen neuen Lebensraum sehr zahlreich.

 

Ein entsprechender Managementplan soll durch die Auswahl der Saatgutmischungen, durch Wiesenmahd und selektiven Bearbeitungsstreifen langjährig für Struktur- und Artenvielfalt sorgen.

 

Weitere Informationen, ins besonders über die Bedeutung des Projekts für die Natur finden Sie hier.

 

Am 18. September findet ab 14 Uhr direkt an der Streuobstwiese eine Informationsveranstaltung statt, indem unser Blühwiesen-Projekt ausführlich vorgestellt wird.

 

Adresse: Ortsrand von Himmelstadt, Am Hirtengarten.

 

Hierzu laden wir Sie herzlich ein.

14. September 2021    Vogel des Monats in Main-Spessart

Die Goldammer – ein typischer Vogel der Feldflur

 

Die sperlingsgroße Goldammer (Emberiza citrinella) gehört zu den Finkenvögeln und ist unsere häufigste Ammer. Kennzeichen des Männchens sind der leuchtend zitronengelbe Kopf und die ebenso gefärbte Unterseite sowie der zimtbraune Bürzel. Den Weibchen fehlt die leuchtende Gelbfärbung; sie tragen ein unauffälliges gelblich-graugrünes, gestreiftes Gefieder.

 

Die Goldammer ist ein charakteristischer Brutvogel der Feldflur mit Hecken, Gebüschen und Baumgruppen. Ihre Nahrung sind Sämereien, Knospen und andere Pflanzenteile, im Sommer jedoch auch Insekten. Außerhalb der Brutzeit, insbesondere im Spätherbst und in schneearmen Wintern sammeln sich Jung- und Altvögel  in größeren Schwärmen auf abgeernteten Feldern.

 

Wie bei vielen anderen Feldvögeln ist auch bei der Goldammer ein Populationsrückgang festzustellen aufgrund einer intensivierten Landnutzung. Die Nester werden in Bodennähe in Stauden oder Gebüsch gut versteckt gebaut. In ausgeräumten Monokulturflächen fehlen solche Nestverstecke mit gravierenden Folgen für den Artbestand.

 

Unverkennbar ist der hübsche Gesang des Goldammer-Männchens. Er besteht aus einer Folge von fünf bis acht kurzen Tönen mit einem langgezogenen Endton: „zi-zi-zi-zi-zi-zi – düüü“.

 

Bild und Text: Walter Malkmus

August 2021

9. August 2021     Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Rasanter Flieger auf sichelförmigen Flügeln

 

Kein anderer einheimischer Vogel ist so perfekt an das Leben in der Luft angepasst wie der Mauersegler (Apus apus). Auf langen, sichelförmigen Flügeln und kurzem gegabelten Schwanz durchschneidet  er aerodynamisch den Luftraum und entwickelt  bei der Balz, bei Verfolgungsjagden und Sturzflügen Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h. Sein Schnabel ist klein, hat aber einen sehr breiten Spalt, mit dem er fliegende Insekten in großer Zahl erbeutet. Seine Füße mit vier nach vorne gerichteten Zehen sind sehr klein. Mit ihnen kann er sich zwar an rau strukturierte  Oberflächen hängen,  jedoch nicht – wie die Schwalben – auf Leitungsdrähten oder Ästen niederlassen.

 

Mauersegler sind Zugvögel, die erst spät im Frühjahr (Ende April/Anfang Mai) aus dem tropischen Afrika  in ihre Brutgebiete in Europa zurückkehren.  Sie brüten meist kolonieweise vor allem in Städten und  Dörfern und bauen ihr Nest in Hohlräume unter Dächern und in Mauerlöchern. Seltener brüten sie in Felsspalten oder gar in Baumhöhlen. In den alten Laubwäldern des  Hochspessarts gibt es die einzige Kolonie baumbrütender  Mauersegler in Bayern.

 

Mitte Mai legt das Weibchen zwei bis drei weiße Eier, die von beiden Eltern in etwa knapp drei Wochen bebrütet werden. Die Nestlingszeit  ist je nach Witterung stark schwankend und kann bis über 50 Tage dauern. Sind die jungen Segler schon etwas herangewachsen, dann können sie sich bei kühlen und regnerischen Wetterperioden mitunter über eine Woche ohne Nahrungszufuhr am Leben halten. Sie fallen dann in eine Art Hungerschlaf, bei dem die Körpertemperatur gesenkt und die Atemfrequenz reduziert wird.

 

Bereits Anfang August verlassen die Mauersegler ihre angestammten Brutreviere und brechen nach Süden in ihre Winterquartiere auf. Nahezu ihr ganzes Leben verbringen sie in der Luft: Die Nahrungsaufnahme in Form von Insektenjagd, Gefiederpflege und Paarung, ja selbst Schlafen gelingt dem Mauersegler in der Luft.

 

Die LBV-Kreisgruppe MSP hat vor ein paar Jahren ein Mauersegler-Schwalben-Projekt ins Leben gerufen, das durch Nisthilfen und Aufklärung  die Segler der Lüfte fördert.

 

Text: Walter Malkmus
Bild: Hartwig Brönner

 

Juli 2021

5. Juli 2021   Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Erbeutete Insekten werden auf Stacheln aufgespießt

 

Der über sperlingsgroße Neuntöter (Lanius collurio), auch Rotrückenwürger genannt, ist ein Vogel der offenen und halboffenen Landschaft mit Dornbüschen, Hecken, Feldgehölzen, Waldsäumen und Wiesen. Markenzeichen des schmucken Männchens sind der schwarze breite Augenstreifen, der graue Kopf und Nacken sowie der leuchtend  rotbraune Rücken. Das Weibchen dagegen ist relativ schlicht gefärbt: Seine Oberseite ist matt rostbraun, die Unterseite weißlich mit braunen, halbmondförmigen Querflecken.

 

Fast immer sieht man das Neuntöter-Männchen auf den oberen Zweigen eines Heckenbusches als Aussichtswarte sitzen und die Umgebung beobachten. Hat es ein Beutetier erspäht, so fängt es dieses meist im Flug, verzehrt es sogleich oder spießt es auf Stacheln oder Dornen. Dieses ungewöhnliche Verhalten beim Beutemachen hat der ganzen Vogelgruppe den Namen Würger eingebracht. An Regentagen oder in frühen Morgenstunden, wenn Insekten noch nicht aktiv sind, stehen die Aufgespießten dann als Nahrung zur Verfügung.

 

Das Nest wird versteckt in Dornbüsche gebaut und bildet einen tiefen Napf.  Die vier bis sechs Eier werden etwa zwei Wochen lang vorwiegend vom Weibchen bebrütet, während das Männchen von einer Jagdwarte aus des Brutrevier überwacht und Nahrung erbeutet.

 

Der Neuntöter ist ein Langstreckenzieher. Er kehrt erst Anfang Mai aus seinem ost- und südafrikanischen Winterquartier zurück und zieht bereits Ende August/Anfang September wieder nach Süden.

 

 

In Bayern ist er noch nicht gefährdet. Doch können Heckenrodungen, Flächenversiegelungen und intensiver Pestizideinsatz zum Verlust von Brutplätzen und Jagdrevieren führen.

 

Bild und Text:  Walter Malkmus

Juni 2021

10. Juni 2021  Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Buntspecht füttert hungrige Brut in selbstgezimmerter Baumhöhle

 

Der etwa amselgroße Buntspecht (Picoides major) ist unser häufigster und verbreitetster Specht. Er kommt in allen Laub-, Nadel- und  Mischwäldern,  in Feldgehölzen, Parkanlagen und Gärten vor. Seine schwarz-weiß-rote Gefiederfärbung  haben auch seine kleineren und wesentlich selteneren Verwandten Mittelspecht und  Kleinspecht.

 

Buntspecht-Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch die Färbung des Nackens: Während dieser bei den Weibchen schwarz gefärbt ist, leuchtet er bei den Männchen in kräftigem Scharlachrot.

 

Die Bruthöhle eines Buntspechtpaares wird von beiden Partnern meist in dicke Äste oder Stämme kranker oder abgestorbener Bäume gezimmert. Das Weibchen legt in der Regel fünf bis sieben weiße Eier, die von beiden Altvögeln bebrütet werden. Nach zehn bis zwölf Tagen schlüpfen die Jungspechte und werden von beiden Eltern mit Spinnen, Raupen, Käferlarven und Insekten aller Art gefüttert. Die Nestlingszeit der schier unersättlichen Jungen dauert 20 bis 23 Tage und ihre Bettelrufe werden gegen Ende ihres Höhlendaseins immer lauter. Die Vogeleltern sind von frühmorgens bis spätabends voll damit beschäftigt, die hungrigen Schnäbel zu stopfen.

 

 

Bemerkenswert ist, dass die befiederten Jungspechte eine rote Kopfplatte tragen, während die der Altvögel schwarz ist. 

 

 

Bild und Text:  Walter Malkmus

Mai 2021

8. Mai 2021   Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Höhlenbrüter mit markantem Gesang - der Trauerschnäpper

 

Regelmäßig Mitte April kehrt der kleine, schwarzweiß gefärbte Trauerschnäpper aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika zurück. Als Höhlenbrüter bezieht er nicht nur Baumhöhlen in naturnahen lichten Laub- und Mischwäldern, sondern gerne auch aufgehängte Nistkästen in Hausgärten und Streuobstwiesen.

Die zuerst eintreffenden, dunkler gefärbten Männchen beziehen meist ihren alten Nistplatz vom Vorjahr und umwerben ein später auftauchendes Weibchen oft einen ganzen Tag lang, bis es schließlich in die Höhle oder den Kasten schlüpft und nach erfolgter Paarung mit dem Nestbau beginnt.

Anfang Mai legt das Weibchen 4-7 zart bläulich grüne Eier und bebrütet sie etwa zwei Wochen lang, während das Männchen vor der Nisthöhle seine rhythmisch ausgeprägte Liedstrophe singt und damit sein Revier abgrenzt. Jeder Vogel, der sich der Baumhöhle oder dem Nistkasten nähert, wird sofort attackiert und aus dem Brutrevier vertrieben. Beide Eltern füttern die hungrige Brut etwa 14 Tage lang im Nest mit gefangenen Fluginsekten.

Künstliche Nisthilfen werden gerne angenommen und führen zur Ausbreitung der Art im dörflichen und städtischen Siedlungsbereich. So verdankt der Trauerschnäpper seine heutige Verbreitung und Zunahme zu einem großen Teil dem Ausbringen von Nistkästen.

 

Die LBV-Kreisgruppe Main-Spessart empfiehlt daher Garten- und Streuobstbesitzern Höhlenbrüterkästen aufzuhängen und dem schmucken sangesfreudigen Vogel zu neuen Brutmöglichkeiten zu verhelfen.

 

Bild und Text:  Walter Malkmus

April 2021

8. April 2021    Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Ein gern gesehener Sommergast - die Rauchschwalbe

 

Kaum ein anderer Zugvogel wird von uns Menschen so freudig begrüßt wie die erste Schwalbe. Anfang April, mitunter auch schon in den letzten Märztagen, kann man die ersten aus Süden zurückgekehrten Schwalben bei uns meist über Gewässern beobachten: Es sind Rauchschwalben, die etwa 10 Tage vor den kälteempfindlicheren Mehlschwalben aus ihren Winterquartieren im tropischen Afrika in die Heimat zurückgekehrt sind.

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) gilt allgemein als die „klassische“ Schwalbe, charakterisiert durch ihre langen, spitzen Flügel und ihren tief gegabelten Schwanz mit langen, dünnen Schwanzspießen. Ihre Oberseite glänzt metallisch blauschwarz und kontrastiert zur weißen oder beigen Unterseite mit blauschwarzem Brustband. Auffallend ist ihre Gesichtspartie mit rotbrauner Stirne und Kehle. Ihr Ruf ist ein hohes „tsiwitt“ und ihr Gesang ein plauderndes Gezwitscher, das oft mit einem Schnurrer endet.

Rauchschwalben sind Flugjäger, die ihre Insektennahrung in der Luft in rasantem Flug erbeuten, bei regnerischem Wetter meist unmittelbar über Wasserflächen oder offenem Kulturland. Sie sind auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet und Brutvögel in Eurasien, Nordamerika und Nordafrika.

Rauchschwalben brüten in menschlichen Siedlungen im Inneren von offenen Gebäuden wie Scheunen oder Viehställen vorwiegend im ländlichen Raum.  Ihre Nester sind offene Viertelkugeln aus Lehmstückchen mit Gras- oder Strohhalmen untermischt und im Inneren mit einigen Federn ausgekleidet. Sie werden an senkrechte Flächen, meist auf einer Stütze wie Balken oder Mauervorsprüngen, angeklebt. Rauchschwalben haben in der Regel zwei bis drei Jahresbruten. Das Weibchen legt vier bis fünf weiße Eier und bebrütet sie rund 15 Tage. Die ausschlüpfenden Jungen werden von beiden Eltern etwa drei bis vier Wochen gefüttert, auch wenn sie schon flügge sind.

Der Rauchschwalbenbestand hängt stark von der Viehhaltung in ländlichen Gebieten ab. Die Ursachen des allgemeinen Schwalbenrückgangs liegen vor allem in der Verstädterung ländlicher Siedlungen, im Rückgang geeigneter Nistmöglichkeiten in modernen Großstallhaltungen, in der Verringerung des Nahrungsangebotes durch die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrer Ausbringung von Insektiziden und in der zunehmenden Asphaltierung landwirtschaftlicher Fahrwege.

 

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) empfiehlt als Nisthilfe für die Schwalben das Anbringen von künstlichen Schwalbennestern oder von geeigneten Stützbrettern für den Nestbau. Weiterhin kann man den Schwalben auch durch die Anlage kleiner Lehmpfützen für den Nestbau wirksam helfen.

 

Bild und Text:  Walter Malkmus

März 2021

10. März 2021   Vogel-des-Monats in Main-Spessart

Der Hausrotschwanz ist einer der ersten Rückzügler aus dem Süden.

 

Zu den frühen Rückkehrern unter den Zugvögeln gehört neben Feldlerche, Singdrossel und Bachstelze auch der Hausrotschwanz. Sie alle sind Kurzstreckenzieher, die von November bis Ende Februar in Westeuropa und im Mittelmeerraum überwintern.

Das Männchen des Hausrotschwanzes trägt ein rußschwarzes Gefieder, wobei Kehle und Brust besonders dunkel gefärbt sind. Auffallend sind ein weißer Fleck am Flügel (Flügelspiegel) und der rostfarbene Schwanz. Das Weibchen ist schlicht graubraun gefärbt ohne  weißen Flügelspiegel, trägt aber auch einen rostfarbenen Schwanz.

Der Gesang des Männchens wirkt wenig melodisch, ist eine rasche Folge von gepressten und kratzigen Tönen und wird meist von Singwarten wie Dachgiebeln oder Gebäudevorsprüngen vorgetragen. Ein Wesensmerkmal des Vogels ist sein häufiges Knicksen und gleichzeitiges Zittern mit dem Schwanz.

Der Hausrotschwanz ist ursprünglich ein Felsbewohner, der als solcher auch heute noch in der Alpinstufe, aber auch in Felswänden der Mittelgebirge und in Steinbrüchen brütet. Im Laufe der Zeit hat er jedoch seinen Lebensraum auch auf Dörfer und Städte ausgeweitet und brütet hier in Mauerlöchern, unter Dachfirsten und lockeren Dachziegeln, auf Balken und Brüstungen, meist jedoch in Nischen und Halbhöhlen. Das Weibchen legt im April vier bis sechs weißliche Eier und bebrütet sie knapp zwei Wochen. Die Jungen werden gut 14 Tage von beiden Partnern mit Insekten und Spinnen gefüttert. Meist kommt es zu einer zweiten Brut im Jahr.

 

In milden Wintern bleiben manche Hausrotschwänze in ihrer mitteleuropäischen Brutheimat zurück. Sie müssen dadurch die anstrengende und mitunter gefährliche Flugreise nicht auf sich nehmen. Mit zunehmend wärmeren Wintern wird sich insbesondere bei manchen Kurzstreckenziehern die Tendenz „zum Daheimbleiben“ sicher verstärken.  

Bild und Text:  Walter Malkmus

Februar  2021

22. Februar 2021  Seltener Greifvogel-Kampf

Während der Turmfalke vorwiegend ein Mäusejäger ist, erbeutet der Sperber in erster Linie Singvögel von Meisen- bis Amselgröße. Der heftige Wintereinbruch mit hohem Schnee und Kältegraden führt indessen zu seltenen Tierszenen:

In einem Partensteiner Hausgarten erbeutete ein Turmfalken-Männchen eine Maus, die sich unter dem Schnee hervorgewagt hatte. Fast zeitgleich stürzte sich ein Sperber-Männchen aus dem Geäst einer Eiche auf den Turmfalken herab. Es kam unter lautem Gekreische zu einem kräftigen Gerangel zwischen den beiden nahezu gleichgroßen Greifvögeln.

Nach kurzer Zeit lag der Sperber auf dem Rücken, während der Turmfalke mit einem seiner Greife fest den Schwanz des Sperbers umklammert hielt. Ein Befreiungsversuch des Sperbers aus seiner misslichen Lage scheiterte, so dass er weiterhin fast reglos auf dem Rücken liegen blieb.

Währenddessen machte sich der Turmfalke über die erbeutete Maus her und ließ den Sperber erst los, nachdem er die Maus verschlungen hatte.

Bild und Text:  Walter Malkmus

6. Februar 2021     Vogel-des-Monats in Main-Spessart

 

Silberreiher als Wintergast im Landkreis Main-Spessart

 

Silberreiher als Wintergast im Landkreis Main-Spessart

Seit über zehn Jahren ist ein auffallend weißer, vorwiegend im südosteuropäischen Raum lebender und brütender Vogel von November bis Ende März in unserem Landkreis zu beobachten. Man trifft ihn an Weihern, in Wiesengründen, an Bachläufen, im Maintal und selbst auf Äckern an.

 

Die Rede ist vom Silberreiher (Casmerodius albus), der mit 85 bis 100 Zentimeter Körperlänge neben dem bekannten Graureiher die größte europäische Reiherart ist.  Markenzeichen des stattlichen Vogels ist sein schneeweißes Gefieder, sein langer s-förmig gekrümmter Hals und seine grauschwarzen Beine. Der lange, dolchförmige Schnabel ist ockergelb und verfärbt sich während der Brutzeit zur Schnabelspitze hin schwarzbraun. Im Flug trägt der Silberreiher seinen Hals stets eingezogen und seine langen Beine weit über den Schwanz hinaus nach hinten gestreckt.  

 

Silberreiher sind Koloniebrüter und nisten in ausgedehnten Schilfflächen größerer Seen. Die nächstgelegene Kolonie brütet im Nationalpark Neusiedler See im österreichischen Burgenland. Die Nahrung der eleganten Reiher  besteht vorwiegend aus Fischen; jedoch stehen auch Frösche, größere Insekten und im Winter oftmals Mäuse auf ihrer Speisekarte.

 

 

Der deutlich kleinere, ebenfalls schneeweiße Seidenreiher wird oftmals mit dem Silberreiher verwechselt. Er kommt jedoch bei uns nicht vor, hat schwarze kürzere Beine mit gelben Zehen und einen schwarzen Schnabel. Zudem trägt er weiße Schmuckfedern im Nacken.

 

Bild und Text: Walter Malkmus

18-09.21.-11