Winter-Gartenvogelerfassung 2025/26

Licht und Schatten in Main-Spessarts Gärten

Seit inzwischen 21 Jahren sammelt die LBV-Kreisgruppe Main-Spessart Daten zur Winter-Gartenvogelerfassung. Dieser außergewöhnlich lange Beobachtungszeitraum ermöglicht es, Entwicklungen unserer häufigsten Gartenvögel zuverlässig zu verfolgen und Veränderungen -sowohl in ihrer Verbreitung als auch bei den Bestandszahlen- frühzeitig zu erkennen.

Insgesamt 77 verschiedene Arten wurden im Winter 2025/26 in den Gärten Main-Spessarts beobachtet, was der Durchschnittszahl der bisherigen Beobachtungsjahre entspricht. Allerdings meldeten manche Teilnehmer einen deutlich sichtbaren Rückgang bei der Anzahl der gefiederten Besucher in ihren Gärten.

Mit den folgenden Grafiken möchten wir Ihnen die Bestands-Entwicklungen einiger ausgewählter Gartenvögel in den letzten 10 Jahren veranschaulichen:

* Neben dem Zaunkönig zeigen insgesamt 19 Arten längerfristig weitgehend stabile Werte, darunter vor allem vertraute Arten wie Rotkehlchen, Haussperling und Kohlmeise.

 

* Dagegen geht beim Feldsperling die langjährige starke Reduzierung unverändert weiter. Und dies nicht nur in Bayern, sondern ebenfalls in den nördlichen Bundesländern und sogar in Belgien und den Niederländen. Die Ursache stellt die Ornithologen weiterhin vor ein Rätsel.

 

* Ähnlich ungeklärt sind die Ursachen für den plötzlichen Bestandseinbruch im Winter 24/25 beim Erlenzeisig. Die Zählungen 25/26 zielen leider in die gleiche Richtung


* Besonders aufmerksam wurde in diesem Winter die Amsel beobachtet. Obwohl sie in den Vorjahren nahezu in jedem Erfassungsgarten vertreten war, deutet sich auch hier ein Abwärtstrend an. Denn bei den gemeldeten Individuenzahlen ist die Winterpopulation der Amsel in den letzten beiden Jahren tatsächlich um mehr als 30 Prozent zurückgegangen! Die Ursachen dafür müssen weiter untersucht werden.

 

* Einen gegenteiligen Trend zeigt die Blaumeise. Während ihre Verbreitung weiterhin stabil bleibt, nahm die Zahl der beobachteten Individuen innerhalb von vier Jahren sogar um rund 50 Prozent zu! Einen wesentlichen Grund für die erfreuliche Entwicklung sehen Experten in der Winterfütterung durch den Menschen.

 

* Beim Buchfink hingegen setzt sich dagegen ein bereits seit etwa 15 Jahren beobachteter langsamer Rückgang fort. Beunruhigend ist hierbei die Tatsache, dass in den letzten drei Jahren rund ein Viertel weniger Individuen in unseren Gärten gezählt werden konnten.  


* Auch beim Grünfink belegen unsere Winter-Erfassungen bereits seit mehr als fünf Jahren eine deutliche Bestandsminderung. Verursacht wird das „Finkensterben“ durch Infektionen mit sog. „Trichomonaden“. Dieser einzellige Parasit befällt den Verdauungstrakt der Vögel, ist jedoch für Haustiere und Menschen absolut ungefährlich.

 

* Interessant ist die Entwicklung der Ringeltaube. Sie spielte zu Beginn der Erfassung kaum eine Rolle, nahm über viele Jahre jedoch stark zu und wurde zu einem vertrauten Anblick in den Gärten. Im Winter 2025/26 zeigte sich nun jedoch erstmals ein deutlicher Rückgang. Ob hier tatsächlich der Höhepunkt der Bestandsentwicklung erreicht wurde, werden die kommenden Jahre zeigen.


Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Gartenvogel-Erfassung im Winter 2025/26 erneut, wie wichtig die regelmäßigen Beobachtungen unserer ehrenamtlichen Vogelfreundinnen und Vogelfreunde sind. Ihr Engagement liefert wertvolle Hinweise auf Veränderungen in unserer heimischen Vogelwelt, lässt uns nach möglichen Ursachen fragen und hilft uns somit, Schutzmaßnahmen gezielt auszurichten.

 

Die LBV-Kreisgruppe Main-Spessart bedankt sich deshalb ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mit ihren Beobachtungen seit vielen Jahren zu diesem wichtigen Datensatz beitragen.