Aktiv im Frühling - Ideen für ein eigenes Schutzgebiet im Garten

Wenn die Schneeglöckchen und Narzissen blühen und die Kornelkirsche die ersten Insekten mit Nektar versorgt, dann hat der phänologische Vorfrühling begonnen. Innerhalb der zehn phänologischen Jahreszeiten markiert dann das Austreiben der Stachelbeere den Übergang in den Erstfrühling. In dieser Phase setzen auch die Blüten von Zwetschge, Pflaume, Kirsche und Birne ein.

Parallel dazu werden zunehmend viele Insekten aktiv, die den Winter in abgestorbenen Pflanzenteilen überdauert haben. Sie nutzen nun das wachsende Angebot an Nektar und Pollen als Nahrungsquelle. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass geeignete Überwinterungsmöglichkeiten vorhanden waren und sie den Winter überlebt haben. Diese werden in vielen Gärten jedoch bereits im Herbst entfernt, häufig aus ästhetischen Gründen, selten aus fachlicher Notwendigkeit. Mit dem Entfernen dieser Strukturen werden leider aber auch Eier, Larven und überwinternde Individuen beseitigt. Dies wirkt sich dann negativ auf die Insektenfauna und die allgemeine Artenvielfalt aus.

 

In meinem Garten endet das Gartenjahr mit der Ernte von Äpfeln und Walnüssen. Verbliebenes Fallobst, Laub sowie vertrocknete Blütenstände der Karde oder anderer samentragender Stauden, verbleiben den Winter über im Garten. Sie dienen sowohl als Überwinterungsquartier für Insekten als auch als Nahrungsquelle für Vögel.

Die Entfernung dieser Strukturen sollte erst erfolgen, wenn die durchschnittlichen Temperaturen im Frühjahr bei etwa 15 °C liegen. Wie auch der Beginn von Apfel- und Fliederblüte, die den Vollfrühling anzeigen, ist die Aktivität von Insekten temperaturabhängig und nicht an feste Zeitpunkte gebunden. Ein zu früher Rückschnitt oder das Umsetzen von Pflanzenresten kann deshalb die Entwicklung der Insekten beeinträchtigen, da immer auch das Mikroklima im unmittelbaren Umfeld verändert wird.

 

Und wenn dann endlich zurückgeschnitten werden kann, empfiehlt es sich, das anfallende Material im Garten zu belassen. Eine Kompostierung oder das Anlegen einer „wilden Ecke“ sind hierfür sinnvolle Optionen. In solchen Bereichen entstehen eigenständige Mikrohabitate mit hoher ökologischer Bedeutung. In meinem Garten wurden diese Strukturen beispielsweise bereits von Igeln zur Jungenaufzucht genutzt.

Eine strukturierte und zugleich gestalterisch ansprechende Alternative stellt die sogenannte „Insektenpyramide“ dar. Hierbei werden Stäbe oder Stangen aus Holz oder Eisen pyramidenförmig angeordnet und im Boden fixiert. Das Schnittgut wird innerhalb dieser Konstruktion geschichtet. Auf diese Weise entsteht ein geschützter Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger und Vögel.

Entscheidend für die ökologische Qualität eines Gartens ist das Vorhandensein vielfältiger Strukturen. Solche Naturelemente bzw. Mikrohabitate bieten auf kleinem Raum unterschiedlichen Arten geeignete Lebensbedingungen.

Auf diese Weise lässt sich ein Garten mit vergleichsweise geringem Aufwand in einen insekten- und vogelfreundlichen Lebensraum entwickeln.

Die Förderung der Artenvielfalt liegt somit unmittelbar in der Hand der Gartenbesitzenden, also auch in Ihrer Hand!

 

Viel Freude in Ihrem persönlichen Schutzgebiet wünscht Ihnen

Gregor Schmidt